#FreeBoogie 2.0?!

 

Das Cousins-Fieber in New Orleans ist wieder bei 37 Grad angekommen. Viele Fans der Stadt aus Louisiana feierten ein verfrühtes Mardi Gras als nach dem Hype rund um das All-Star Game in der eigenen Heimat auch noch die Nachricht durchsickerte, dass DeMarcus Cousins nun gemeinsam mit Anthony Davis die Pelicans zurück in das gelobte Land führen sollte.

 

Inzwischen hat nach drei enttäuschenden Niederlagen Ernüchterung übernommen und während individuelle Kritik noch meist ausbleibt, hat inzwischen wohl jeder realisiert, dass „Fire and Ice“ kein Selbstläufer sind.

 

Bully-Ball oder doch eher multipler Hero-Ball?

 

Die Pelicans haben ihre letzten drei Partien mit durchschnittlich 17 Punkten verloren. Autsch. Dass man diesen Fakt aber nicht ausschließlich auf fehlende Chemie zwischen AD und DMC beziehen kann, liegt vor allem an Alvin Gentry, der sich bisher dafür entschieden hat, die Minuten der beiden zu staggern.

 

Nur in 55 der 104 Minuten, in denen Anthony Davis auf dem Court stand, war auch Cousins an seiner Seite. Ein klares Indiz, dass Gentry bisher noch nicht wirklich weiß, wie er seine zwei Big-Men gemeinsam nutzten soll. Es ist nachvollziehbar es als Vorteil zu sehen, stets einen der beiden auf dem Platz zu haben – aber war es nicht der große Plan hinter der Cousins-Akquise „Bully-Ball“ wieder zu etablieren und jeden Gegner, der mit der Physis dieser Paarung nicht mithalten kann, zu dominieren!?

 

Die offensive Marschroute während der Soloauftritte von Davis/Cousins kann man simpel zusammenfassen: „Give our Big-Guy the fu***ng ball!!!“

 

In den Minuten ohne Cousins hat Davis bisher eine Usage Rate von 50,5% (Westbrook stellt aktuell den neuen NBA-Rekord mit einer wahnsinnigen Rate von 42,4% auf). Cousins sollte sich bei seinen Mitspielern mal beschweren, denn die 41,4% Usage ohne Davis sind in dem Kontext ja schon fast lächerlich gering. *Ironie off*

 

Die individuellen Statistiken während der jeweiligen One-Man-Show sind spektakulär: Per 36 legt Davis alleine 49 Punkte auf, Cousins ohne Davis 40 Punkte. Madness. Dass man so aber nicht automatisch Basketballspiele gewinnt, sieht man an den deutlich negativen Net Ratings in diesen Situationen (Davis ohne Boogie = -21 / Cousins ohne Davis -15).

 

Passen Davis und Cousins zusammen?

 

Stehen die beiden Monster mal gemeinsam auf den Platz, müssen sie tatsächlich etwas von ihrem Scheinwerferlicht opfern. Cousins Usage Rate sinkt auf 27%, die von Davis auf 33,1%. Statt von der Aufmerksamkeit, die der jeweils andere beim Gegner provoziert, zu profitieren, lassen beide nach. Per 36 stehen bei Davis immerhin noch 25,5 Punkte (44,1% FG) und bei Cousins 21,6 Punkte (43,5%), aber die Effizienz lässt bei den gemeinsamen Auftritten doch zu Wünschen übrig. Und das ist eigentlich die größte Überraschung / der größte Schock – trotz nachvollziehbarem Startschwierigkeiten im Zusammenspiel, hätte man erwartet, dass Davis und Cousins leichte Würfe für den kongenialen Partner erarbeiten und das ist schlichtweg nicht der Fall.  

 

Cousins passt den Ball 3,7 Mal pro Spiel zu Anthony Davis und generiert dabei einen Assist. Davis gibt Cousins 3,5 Mal pro Spiel den Ball und konnte Cousins in drei Spielen dabei noch nicht einmal beim Korberfolg assistieren. Ein klassisches Two-Man-Game existiert also nicht.

 

Die Offensive

 

Aktuell passiert noch viel zu viel hiervon: Cousins oder Davis (hier Cousins) isolieren, während der Andere anteilnahmslos rumsteht und noch nicht mal die Chance auf einen Offensivrebound hat.

 

Wenn keiner der beiden den Ball in der Hand hat, sind die Territorien noch nicht wirklich geklärt. Hier in der Szene etabliert Cousins stur seine Post-Position obwohl die Passing-Angle nicht wirklich gegeben ist und Davis lungert ebenfalls unter dem Korb. Dies führt zu katastrophalem Spacing und nur mit sehr viel Glück konnte diese Posession mit einem Bucket abgeschlossen werden.

 

Erschwerender Faktor bei dem Zusammenspiel ist das von Haus aus fehlende Spacing bei New Orleans. Wenn man Davis und Cousins abrechnet, haben die restlichen Pelicans peinliche 4,3 Dreier pro Spiel bei 18 Versuchen getroffen (24%).

 

Die Defensive

 

Obwohl Davis und Cousins quasi beide eine Art Hybrid Center/Power Forward spielen, ist zumindest in der Defensive klar, dass Cousins das klassische Center-Matchup übernimmt. Wer wie wo und wann Help-D spielen soll, bleibt bisher noch ein großes Rätsel.

 

Hier sieht man, dass beide Versuchen ein Charging-Foul von Harden provozieren wollen, was dazu führt, dass Ariza komplett blank für einen Dreier ist und gleichzeitig ein simpler Lob-Pass zugelassen wird, der zu 2 Punkten führt.

 

Mit etwas weniger Einsatz läuft die folgende Szene ab. Cousins ignoriert ganz nonchalant den Slip-Screen

von Barnes und guckt danach Harris zu, Davis erwartete wohl Help-D von Cousins und reagiert viel zu spät.

 

Einen kompletten Breakdown gibt es auch hier beim gefürchteten Westbrook/Adams Pick&Roll. Statt Defense sehen wir hier eher Rhythmische Sportgymnastik – Cousins verliert Adams komplett aus den Augen, hüpft dann halbherzig an, Davis tut es ihm gleich.

 

Generell ist Rim-Protection ein Problem für die neuen Pelicans. Cousins ist mit einer zugelassenen Wurfquote von 51,4% am Korb ein unterdurchschnittlicher Rim-Protector. Davis ist der bessere Shotblocker, ist mit seinen 50,4% DFG aber nur unwesentlich angsteinflößender unterm Korb.

 

Das wahrscheinlich größte Problem sind defensive Pick&Roll Situationen mit DeMarcus Cousins. Boogie zeigt dort viel zu wenig Einsatz, bzw. ist schlichtweg einfach nicht gut und wird so gezielt attackiert von den Gegnern.

 

Hier geht Cousins mal wieder den einfachen weg und reacht, anstatt die Beine zu bewegen. Ein Kollaps folgt auf dem Fuße, Davis contested zwar noch gut, aber Matthews findet einen der DREI (!) freien Shooter.

 

Neben eh schon vorhandenen defensiven Limitationen ist mangelnder Effort in der Defensive immer wieder sichtbar bei Cousins. Trotz offensichtlicher Motivation für sein neues Team, schafft er es einfach nicht, konstant gut und vernünftig zu verteidigen. Exemplarisch dafür ist auch dieser halbherzige Versuch um den Mejri-Screen herumzukommen.

 

Hier sind die Mavs besonders fies und ziehen mit der 5-Man-Out-Offense Davis und Cousins auf den Perimeter. Wieder wird Cousins involviert und verweigert die Hilfe komplett. Aber hey, immerhin hat er dem Phantom in der Defense gezeigt, wo gerade der Mann an ihm vorbeispaziert.

 

Diese Aktion lasse ich einfach mal umkommentiert. Seriously!?

 

Alles nur eine Frage der Zeit?

 

Viele Probleme und Beispiele kann man auf Abstimmungsprobleme schieben. Offensiv werden sich Cousins und Davis sicher besser aufeinander abstimmen und auch Alvin Gentry wird an der Optimierung der Rotation arbeiten.

 

Ohne Shooter wird es dennoch extrem schwierig, akut Erfolg zu haben. Selbst wenn Davis und Cousins heißlaufen, werden die Offensivaktionen meist nur mit 2 Punkten belohnt, während der Großteil der gegnerischen Teams von draußen bombt wie verrückt.

 

Können die Pelicans Cousins halten?

 

Nach der Premiere, die in einem Blowout gegen die Houston Rockets endete, gab DeMarcus Cousins sich noch geduldig: „Niemand erwartet von uns, dass wir nach einem Spiel den NBA-Titel gewinnen. Sowas braucht Zeit.“ Ganz so locker wird das Front-Office der Pelicans dies sicher nicht sehen, denn sie haben nur 1 ½ Saisons, um den Neuzugang zu einer Vertragsverlängerung zu überzeugen.

 

Cousins Agenten drohten vor dem Trade schon damit, dass ihr Schützling bei keinem der Trade-Kadidaten resignen würde. Mit dieser Aussage verfolgten sie aber eine klare Agenda. Aus finanzieller Sicht wäre es beidseitig von Vorteil gewesen, einen Trade zu verhindern – Cousins hätte so bei den Kings einen Vertrag für 35% des Caps unterschreiben können (5 Jahre, 209 Millionen). Durch den Trade gingen ihm und seinen Agentan nun knapp 30 Millionen durch die Lappen. Dieser Fakt verschlechtert aber auch gleichzeitig die Chancen der Pelicans, Cousins zu resignen. Die Differenz zu dem Vierjahresvertrag, die andere Teams Cousins 2018 bieten können, ist somit deutlich kleiner.

 

Wenn wir eines in den 6 ½ Jahren DeMarcus Cousins festgestellt haben, ist es, dass er unberechenbar ist. In diesem Sinne haben die Pelicans keine Garantien und werden abhängig von dem Erfolg in dieser Saison und der Offseason 2017 nüchtern evaluieren müssen, ob sie eine Chance haben. Falls die Antwort nicht klar sein sollte, wird ein erneuter Cousins-Trade zur Sprache kommen. Der Markt wird dann natürlich kleiner sein, weil Interessenten ähnliche Befürchtungen hätten und ihn lieber als Free Agent signen würden.

 

Ein Abgang von Cousins würde die Chancen Anthony Davis langfristig behalten zu können natürlich auch dramatisch verschlechtern.

 

Noch steht es aber aus, ob der Power-Iso-Ball der Pelicans den systemathischen, mordernen Analytics-Basketball überwältigen kann.

 

 

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